"Tanzen für den Frieden" - Internationale Jugendbegegnung in der Gedenkstätte Ahrensbök für Toleranz und Völkerverständigung
Es endete mit einem rumänischen Friedenstanz. Im Garten der Gedenkstätte Ahrensbök tanzten etwa 40 Menschen im Kreis, Jugendliche aus halb Europa, Politiker aus Schleswig-Holstein, Ehrenamtliche und Teammitglieder der Gedenkstätte, angeleitet von Stefania und Ecaterina aus Rumänien. Ein harmonischer Abschluss am Freitagabend nach elf Tagen internationaler Jugendbegegnung. Formate seien wichtig, hatte Landtagspräsidentin Kristina Herbst zuvor gesagt, „die Traditionen bewahren und zugleich junge Leute ansprechen“. So wie der Friedenstanz, bei dem nicht nur Herbst strahlte. Denn der Abend löste eben das ein, was die Parlamentspräsidentin als wichtigste Aufgabe der Erinnerungskultur bezeichnete: „Die Vergangenheit verstehen, um die Zukunft zu gestalten – international und Generationen übergreifend.“
14 junge Menschen zwischen 17 und 23 Jahren aus sechs europäischen Ländern nahmen an dieser Jugendbegegnung teil: aus Polen, Rumänien, Moldawien, der Türkei, Italien und auch Deutschland. Unter dem Titel „Bridging Histories“ beschäftigten sie sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus, den Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft sowie mit Erinnerung, Vielfalt und einem friedlichen Zusammenleben in Europa. „Ziel ist es, nationale Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen“, betonte die kommissarische Leiterin der Gedenkstätte, Lisa Heller: „Es geht darum, gemeinsames Lernen, Verständigung und Verantwortungsbewusstsein in Europa zu stärken.“
Die Jugendlichen und Jungerwachsenen besuchten die Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die Lübecker Synagoge und das Cap Arcona-Museum im Zeittor in Neustadt/Holstein, sie waren unterwegs auf der Route des Todesmarsches, der 1945 vom Auschwitz-Nebenlager Fürstengrube über Lübeck durch Ostholstein nach Neustadt auf die Häftlingsschiffe in der Bucht führte, sie arbeiteten ganz handfest im Garten der Gedenkstätte und auf dem Ehrenfriedhof Cap Arcona in Haffkrug. Und sie diskutierten über Erinnerungsarbeit und Rechtsextremismus in Europa, über Krieg und Frieden, sie sprachen über Toleranz und Völkerverständigung – und, ja, sie feierten auch den Workshop, den internationalen Austausch und auch ein bisschen sich selbst.
Und sie diskutierten auch mit Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Dorit Stenke, die dem Camp einen mehrstündigen Besuch abstattete. Die Bedeutung von historisch-politischer Bildung war Thema, der Umgang mit rechtsextremen Gefahren und der Wert europäischer Erinnerungskultur, wie Stenke nach dem vertraulichen Gedankenaustausch mitteilte. Und auch hier wieder „das Lernen aus der Vergangenheit“.
Und das soll weiterhin Zukunft haben. Die Jugendbegegnung, veranstaltet von der Gedenkstätte Ahrensbök in Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, soll es auch im kommenden Jahr wieder geben. Das wäre dann das 25. Internationale Camp – ein Vierteljahrhundert gelebte Friedensarbeit und Völkerverständigung.
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Sven-Michael Veit