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Vier verlorene Jahre
Zwangsarbeit in Ahrensbök 1939 - 1945: Eine neue Ausstellung in der Gedenkstätte


Ganze Familien, vom Großvater bis zum Säugling, wurden verschleppt und zur Zwangsarbeit in Deutschland gezwungen. Am Beispiel der ostholsteinischen Gemeinde Ahrensbök lässt sich beispielhaft thematisieren, welches Unrecht den Menschen aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern angetan wurde, wie sie ihrer Heimat entrissen und ins Reich deportiert wurden, um die Arbeit der als Soldaten im Krieg eingesetzten Deutschen zu übernehmen.

"Zwangsarbeit in Ahrensbök 1939 bis 1945" heißt eine neue Ausstellung. Sie wird am Sonntag, den 2. April um 15 Uhr in Anwesenheit von Zeitzeugen in der Gedenkstätte Ahrensbök eröffnet, just in dem Gebäude, in dem von 1936 bis 1956 die Verwaltung einer Flachsröste untergebracht war. 98 Frauen aus der UdSSR, 36 Belgier und eine Polin mussten hier während der Kriegsjahre Zwangsarbeit verrichten, um die kriegswichtige Leinenproduktion am Laufen zu halten.

Die Flachsröste war neben den Globus-Werken und der Gemüse-Absatz-Genossenschaft einer von drei großen Betrieben in Ahrensbök. Hier mussten ebenso wie in Landwirtschaft, dem Handwerk und in Privathaushalten - nachweislich 1 215 Menschen Zwangsarbeit leisten. Ihre Namen und ihre Familienverhältnisse wurden in einer Ausländerkartei notiert, die der ehemalige Büroleiter der Gemeinde Ahrenbök, Norbert Fick, im Keller des Rathauses gefunden hatte. In einem im Jahr 2000 veröffentlichten Bericht hat Fick diese Kartei akribisch untersucht, ausgewertet und beschrieben. Auf Ficks Arbeit begründet sich der größte Teil der neuen Ausstellung.

Eine Kopie dieser Ausländerkartei wird das wichtigste Exponat der Ausstellung sein. Interessierte werden die Möglichkeit haben, in diesen Karteikarten zu blättern, nachzulesen, nachzuforschen. Auf zahlreichen Tafeln werden Beispiele genannt, unter welche teilweise unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in der Großgemeinde Ahrensbök und ihren 19 Dörfern arbeiten und leben mussten. Die Baracken für Zwangsarbeiter der Globus-Werke standen beispielsweise mitten in Ahrensbök, nicht weit von der Kirche entfernt.

Die neue Ausstellung in der Gedenkstätte thematisiert auch ein positives Beispiel. Bogdan Siewierski wurde 1941 als Kind polnischer Zwangsarbeiter in Ahrensbök geboren. Die Mutter Marianna, die gut Deutsch sprach, hielt nach ihrer Rückkehr nach Polen viele Jahre lang Kontakt zu den Sibliner Landwirten, "weil die Bauern gute Leute waren". Vater Eugenius hingegen hat stets mit seinem Schicksal "als Sklavenarbeiter" gehadert. "Man hat mir vier Jahres meines Lebens gestohlen", klagte er dem Sohn, wie sich Bogdan Siewierski 2011 während seines Besuchs in Ahrensbök erinnerte.

Eine Tafel in der Ausstellung schildert die ersten Lebensjahre des Zwangsarbeiterkindes Bogdan. Als er und seine Frau Anna am 8. Mai 2011 siebzig Jahre nach seiner Geburt erstmals sein Geburtsland auf Einladung des Trägervereins der Gedenkstätte Ahrensbök besuchte, wurde er auf dem Hof Heine vom Sohn des früheren Besitzers mit offenen Armen empfangen. Der Trägerverein hat Bogdan und Anna Siewierski (s. Foto) zur Eröffnung der Ausstellung wieder eingeladen.



 
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