P R E S S E 
 
Gedenkkultur vor 1968
Vortrag in der Gedenkstätte über die Entstehung des Begriffs „Brandopfer“


Er war einer der ersten, der eine „Gedenk-Kultur“ forderte, was damals kein populäres Unterfangen war. Schon Jahre bevor Studenten der 1968-er-Bewegung massiv die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit forderten, brachte Albrecht Goes (1908 – 2000), Pastor und Schriftsteller aus Baden Württemberg, in seiner literarischen Arbeit den Begriff „Brandopfer“ – auf englisch: Holocaust - ein.

Am Sonntag, den 13. Oktober 2019 wird um 15 Uhr Prof. Thomas Vogel, Waldkirche Timmendorferstrand, in seinem Vortrag „Aufarbeitung vor 1968“ aufzeigen, dass der notwendige Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit lange bevor die Studenten auf die Straße gingen, begonnen hat. Zeugnis dafür, so Vogel, sei die Erzählung „Das Brandopfer“ von Albrecht Goes, die 1954 (Fischerverlag) erschienen ist. Dieses Buch gehöre „in eine Kette von markanten Belegen vor 1968“. Es ist eine Erzählung über die Judenverfolgung im Nationalsozialismus und schildert den Versuch einer Selbstopferung, eines „Brandopfers“.

Die Gespräche, die Goes während der letzten Kriegsjahre in Lazaretten und Gefängnissen mit Kriegsopfern in Russland, Polen, Ungarn, in Österreich führte, mögen ihn nachhaltig geprägt haben. Nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur engagierte sich der Pastor gegen die Wiederaufrüstung und die enge Westanbindung der jungen Bundesrepublik. Sein dichterisches Werk umfasst mehre Novellen, darunter die 1950 veröffentlichte Erzählung „Unruhige Nacht“, in der der Militärgeistliche die Ereignisse eines Abends und einer Nacht in einem von den Deutschen besetzten Lazarett in der Ukraine im Oktober 1942 beschreibt. Interessierte sind zu diesem Vortrag in die Gedenkstätte eingeladen.




Albrecht Goes forderte früh eine “Gedenk-Kultur”

(Foto: Fischerverlag)

 
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